Die Wolfs- und Giraffensprache...


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...ist von Rosenberg eingeführt worden, um die Gewaltfrei Kommunikation (GFK oder Non Violent Communication NVC) deutlicher darstellen zu können. Die Wolfs- und Giraffensprache ist auch immer mal wieder Gegenstand des "Online-Übungsabends Gewaltfreie Kommunikation (GFK)", der jeden 1. Dienstag im Monat von 19:00 - 21:00 wieder online stattfindet.




Im ersten Teil zur Wolfs- und Giraffensprache habe ich die Grundlagen erläutert. Der Blogbeitrag dazu ist hier zu finden.

In diesem
zweiten Teil, gehe ich auf die jeweiligen Sprachmuster von Wolf und Giraffe ein.

Um die Wolfs- oder Giraffensprache zu verstehen, fangen wir am besten bei uns selbst an.
Denn wenn wir verstehen, was Wolf und Giraffe bei uns bewirken, dann verstehen wir auch besser, was bei unserem Gegenüber gerade passiert.

So spricht der Wolf

Sehr häufig reden wir mit uns selbst, z. B. wenn uns etwas nicht gelungen scheint, das wir gerade erarbeitet haben. Dann kommt es vor, dass wir uns "runterputzen":

"Da hast du dich aber ganz schön dämlich angestellt."


"Das hättest du viel besser hingekriegt, wenn du dir mehr Zeit genommen hättest..."


"Wie kannst du das nur so verpfuschen?"


so oder mit so ähnlichen Tiraden legen wir dann los, das kann so tief gehen, dass wir das erarbeitete gänzlich verwerfen. Ein angefangener Artikel fliegt dann in den Papierkorb, wird gelöscht oder durchgestrichen, bis nix mehr zu erkennen ist.

Auch wenn wir das harmloser klingen lassen, wie z. B.:

"Das hast du wirklich gut hingekriegt, Mann..."


"Na prima, das sieht vielleicht aus...!"


Merke: Auch Ironie kann Wolfssprache sein und Häme ist immer Wolfssprache!

Was passiert, wenn wir in der
Wolfssprache reden?

Der Wolf bewertet!
Der Wolf urteilt!
Der Wolf wertschätzt nicht!
Der Wolf bietet keinen Ankerpunkt, d. h. ich bin dann nicht bei mir.
Der Wolf ist nicht empathisch!
Der Wolf will recht haben!

Wir kennen den Ausdruck: Der ist ja ganz außer sich! Genau das passiert in der Wolfssprache, wir sind nicht, zu unseren Gfühlenin uns und bei unseren Gefühlen und Bedürfnissen, sondern "außer uns", wir beurteilen uns dann von außen. Dabei wiederholen wir häufig Aussagen (Glaubenssätze), die wir schon lange kennen und die dann geradezu aus uns herausbrechen. Wir können das oft auch gar nicht kontrollieren, das passiert einfach so.
Der Wolf füllt uns dann ganz aus, wir werden auch richtig wütend auf uns, wir zerstören dann vielleicht das, was wir gerade mit Mühe und Anstrengung erarbeitet haben, um uns für unser "Versagen", unser "Nicht-gut-genug-sein" zu bestrafen, so wie unsere Eltern vielleicht unsere mühselig gestaltete Zeichnung, die wir als Hausaufgabe, anzufertigen hatten, zusammengeknüllt haben, weil siebenten, das sein nich gut genug und uns zwangen noch einmal von vorn anzufangen. Denn diese Sätze, die der Wolf in uns spricht, sind eben auch Glaubenssätze, die wir schon im Kindesalter in uns auf genommen haben.

Wie können wir den Wolf bändigen bzw. ihm vorbeugen?

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Wenn wir weniger wölfisch mit uns selbst umgehen wollen, dann brauchen wir Kontakt zu uns, unseren Gefühlen und Bedürfnissen, wir brauchen Empathie für uns selbst.

Das gelingt sehr gut mit der
Giraffensprache.

Wir reden natürlich auch mit uns selbst, wenn wir etwas gut gemacht haben, wenn wir mit unserem Arbeitsergebnis zufrieden sind oder wenn wir in einer Situation zufrieden und vielleicht sogar glücklich waren.

Dann sprechen wir vielleicht Sätze wie:

"Das ist ja schön geworden, so habe ich mir das vorgestellt."


Dabei sind wir mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen verbunden. Das Gefühl in uns könnte Freude oder Zufriedenheit sein, unser Bedürfnis, dass unser Werk gelingen möge ist erfüllt.

Wenn also ein positives Gefühl in uns aufsteigt, können wir (fast) immer davon ausgehen, dass unser momentanes Bedürfnis erfüllt ist.

Das könnte z. B. das Bedürfnis nach "Natur erleben" sein, wir machen einen schönen Spaziergang in einer Park und dabei durchströmt uns ein Gefühl der Freude und der Zufriedenheit. Dann ist unser Bedürfnis erfüllt.
Es könnte jedoch auch sein, dass wir uns in dem Park nicht wohl fühlen, weil vielleicht viele Radfahrer unterwegs sind (woran wir nicht gedacht hatten), dass vielleicht eine Gruppe von Menschen ein Picknick macht und dabei laute Musik hört usw. Dann wäre unser Bedürfnis "Natur erleben" nicht so ganz erfüllbar. Dann hätten wir vielleicht eine Situation in der der Wolf wieder hervorkommt. Aber bleiben wir bei der
Giraffensprache.
Noch einmal:
Wenn wir positive Gefühle haben, weil unsere Bedürfnisse gerade erfüllt sind, dann sind wir giraffisch unterwegs.

Das ist ja noch einfach.

Wir brauchen aber die Giraffe auch oder gerade, wenn bei uns der Wolf los ist.

Wie kommen wir also vom "wölfischen" ins "giraffische"?


Hier hilft uns vor allem, wenn wir schon vertrauter mit der GFK sind, wir einigermaßen gut unsere Gefühle spüren und benennen können und so auch unsere Bedürfnisse besser kennen, aber vor allem
hilft uns in dieser Situation, wenn wir in der Lage sind, diese Verbindung zu unseren Gefühlen und Bedürfnissen herzustellen, also empathisch mit uns selbst zu sein.

Da wir es, wie Rosenberg sagte, "verlernt haben" empathisch zu sein sind wir in der Lage, die Empathiefähigkeit wieder zu reaktivieren und zu verstetigen. Das wird uns nicht so einfach gelingen, aber je mehr wir uns damit beschäftigen, je besser wird es gehen. Also üben wir jeden Tag mit uns in Verbindung zu kommen. In uns hinein zu spüren und zu fühlen. was gerade "gefühlsmäßig" in uns los ist. Es ist hilfreich, Gefühle passend benennen zu können und unseren Wortschatz dafür zu erweitern. Wenn wir Gefühle passend benennen können, fällt es uns auch leichter unsere Bedürfnisse, die nicht befriedigt sind zu erkennen. Unsere Gefühle, führen uns zu unseren Bedürfnissen. Wenn es uns gelingt, dazu eine Verbindung herzustellen, dann ist es nur noch ein kleiner Schritt um zu erkennen, was wir benötigen, damit unsere Bedürfnisse befriedigt werden werden können.


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Und mit dieser kleinen Übung, kommen wir auch vom wölfischen ins giraffische.

Mit diesem mp3track begleite ich dich sechs Minuten durch diese Kurzmeditation.



Bleiben wir bei obigem Beispiel. Wir sind unzufrieden mit dem Ergebnis unserer Arbeit. Der
Wolf sagt: "Da hast du dich aber ganz schön dämlich angestellt." und noch so einige Nettigkeiten.
Bevor wir ihm nun nachgeben, gönnen wir uns fünf Minuten Pause. Wir gehen in die kleine obige Meditationsübung, verbinden uns mit uns.
Nun können wir die Situation (Ergebnis unserer Arbeit) in uns wachrufen. Wir spüren dem Gefühl nach, das in uns aufsteigt, während die Situation wach wird. Wir benennen unser Gefühl und lassen uns zu unserem Bedürfnis (das unerfüllt ist) führen. Wenn wir auch dieses gut benennen können, dann gelingt uns auch zu klären, was wir brauchen, damit wir das Bedürfnis befriedigen können. Bauchen wir jemand anderen dazu, dann richten wir unser Bitte uns zu unterstützen an jenen Menschen, der uns unterstützen kann. Können wir selbst für uns sorgen, dann richten wir di eBitte an uns selbst.
Und jetzt kommt die
Giraffe zum Einsatz!

So spricht die Giraffe

"Ich bin ganz schön unzufrieden mit dem was ich hier geschafft habe. Irgendwas gefällt mir daran nicht. Das muss ich mir jetzt nochmal genauer anschauen."



"Bevor ich vor lauter Ärger die ganze Arbeit kaputt mache, überlege ich nochmal, was mich genau am Ergebnis stört. Vielleicht kann ich ja mit wenig Aufwand noch etwas ändern."



"Eigentlich hast du in der kurzen Zeit und mit den einfachen Mitteln, die dir zur Verfügung standen ein ganz ordentliches Ergebnis erarbeitet, das kann so bleiben."


Der Unterschied zum Wolf ist der, dass die Giraffe sowohl das Ergebnis, als auch den Weg und die Ressourcen im Auge hat und dabei in Verbindung bleibt mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen. Sie schaut also eher von innen nach außen und nicht (nur) von außen drauf.

Wenn du bis hierher gelesen hast, hast du ein ganz herzliches Dankeschön verdient. Dann habe ich es also geschafft, die zu interessieren, was denn die Wolfs- bzw. Giraffensprache ausmacht. Nun wünsche ich dir, dass es dir gelingen mag dich gut mit dir zu verbinden und immer häufiger giraffisch, statt wölfisch mit dir und deinem Gegenüber zu sprechen.

Ach ja, wir sind ja erst sozusagen auf halbem Wege. Im nächsten Teil erkläre ich, wie wir eben mit unseren Kommunikationspartnern eher giraffisch als wölfisch reden können.

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